{"id":3658,"date":"2022-05-13T17:06:53","date_gmt":"2022-05-13T15:06:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ts-law.de\/?p=3658"},"modified":"2023-01-05T17:07:14","modified_gmt":"2023-01-05T16:07:14","slug":"ukraine-krieg-auswirkungen-auf-die-oeffentliche-bauvergabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ts-law.de\/en\/ukraine-krieg-auswirkungen-auf-die-oeffentliche-bauvergabe\/","title":{"rendered":"Ukraine-Krieg: Auswirkungen auf die \u00f6ffentliche Bauvergabe"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row css_animation=&#8221;&#8221; row_type=&#8221;row&#8221; use_row_as_full_screen_section=&#8221;no&#8221; type=&#8221;full_width&#8221; angled_section=&#8221;no&#8221; text_align=&#8221;left&#8221; background_image_as_pattern=&#8221;without_pattern&#8221; z_index=&#8221;&#8221; padding_bottom=&#8221;60&#8243;][vc_column offset=&#8221;vc_col-lg-offset-3 vc_col-lg-6 vc_col-md-offset-3 vc_col-md-6&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p>Aufgrund des Ukraine-Krieges sind die Preise vieler Baumaterialien stark angestiegen. Die Auswirkungen auf die \u00f6ffentliche Bauvergabe veranschaulicht die nachfolgende \u00dcbersicht:<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>1. K\u00fcnftige Vergabeverfahren<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Einleitung <strong>neuer Vergabeverfahren<\/strong> ist zu pr\u00fcfen, ob die Voraussetzungen f\u00fcr die Aufnahme einer <strong>Stoffpreisklausel<\/strong> (Formblatt 225 VHB) gegeben sind (f\u00fcr Bundesbauma\u00dfnahmen vgl. den urspr\u00fcnglich bis zum 30.06.2022 befristeten Runderlass des BMWSB vom 25.03.2022, mit Rundschreiben des BMWSB vom 22.06.2022 verl\u00e4ngert bis zum 31.12.2022).<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>2. Laufende Vergabeverfahren<\/strong><\/p>\n<p>Bei <strong>laufenden Vergabeverfahren <\/strong>ist zu unterscheiden, ob die Angebotsfrist noch l\u00e4uft oder nicht:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Angebotsfrist l\u00e4uft noch<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Bieter kann bis Ablauf der Angebotsfrist sein Angebot im Hinblick auf die Auswirkungen des Ukrainekriegs <strong>zur\u00fcckziehen<\/strong> und ggf. angepasst mit Risikozuschl\u00e4gen neu einreichen. Die Vergabestelle kann pr\u00fcfen, ob die nachtr\u00e4gliche Aufnahme einer <strong>Stoffpreisklausel<\/strong> (Formblatt 225 VHB) geboten, das Vergabeverfahren deswegen zur\u00fcckzuversetzen bzw. aufzuheben und neu auszuschreiben ist.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Angebotsfrist ist abgelaufen<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Bieter ist an sein Angebot bis zum Ablauf der Binde- und Zuschlagsfrist <strong>gebunden<\/strong>. Er kann sein Angebot in dieser Zeit nicht zur\u00fccknehmen. Die Vergabestelle kann pr\u00fcfen, ob die nachtr\u00e4gliche Aufnahme einer <strong>Stoffpreisklausel<\/strong> (Formblatt 225 VHB) geboten, das Vergabeverfahren deswegen zur\u00fcckzuversetzen bzw. aufzuheben und neu ausauszuschreiben ist. Die Vergabestelle hat zudem gem. \u00a7 15 EU Abs. 1 Nr. 1 VOB\/A 2019 bei Vorliegen dahingehender Anhaltspunkte bzw. auf Hinweis des Bieters <strong>aufzukl\u00e4ren<\/strong>, ob wegen bekannter Lieferschwierigkeiten die Vertragstermine und -fristen noch erf\u00fcllbar sind und wegen bekannter Materialpreissteigerungen der Angebotspreis nicht <strong>unangemessen niedrig<\/strong> ist (\u00a7 16d EU Abs. 1 Nr. 1, 2 VOB\/A 2019). Ist die Aufkl\u00e4rung ist nicht erfolgreich oder liegt ein unangemessen niedriger Angebotspreis vor, ist das Angebot <strong>auszuschlie\u00dfen bzw. nicht zu werten<\/strong>.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong> 3. Nach Zuschlagserteilung \/ Umgang mit bestehenden Vertr\u00e4gen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Grundsatz:<\/strong><\/p>\n<p>Das Beschaffungs- und Preisrisiko liegt <strong>allein<\/strong> beim Auftragnehmer &#8211; <strong>kein <\/strong>Anpassungsanspruch.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ausnahmen: <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Es wurden im Vertrag <strong>Vertragsanpassungsklauseln<\/strong> vereinbart (z.B. Preisvorbehalte, Preisgleitklauseln, Force-Majeure-Klauseln).<\/li>\n<li>Das Beschaffungs- und Preisrisiko betrifft Anordnungen von <strong>ge\u00e4nderten oder zus\u00e4tzlichen Leistungen<\/strong> (\u00a7 2 Abs. 5 oder 6 VOB\/B) oder <strong>Mengen\u00fcberschreitungen<\/strong> von mehr als 10 % (\u00a7 2 Abs. 3 Nr. 2 VOB\/B). In diesem Fall sind die tats\u00e4chlichen Mehrkosten bei der Preisanpassung und etwaige Lieferschwierigkeiten bei der Verl\u00e4ngerung der Vertragstermine bzw. -fristen zu ber\u00fccksichtigen.<\/li>\n<li><strong>Terminanpassung<\/strong> gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 2 Nr. 1 c) VOB\/B:<br \/>\nSind Materialien nachweislich und kausal wegen des Ukrainekrieges nicht oder vor\u00fcbergehend nicht beschaffbar, kann von einem Fall der <strong>h\u00f6heren Gewalt<\/strong> bzw. einem anderen <strong>nicht abwendbaren Ereignis<\/strong> im Sinne von \u00a7 6 Abs. 2 Nr. 1 c) VOB\/B auszugehen sein. Voraussetzung ist, dass die Lieferschwierigkeiten unvorhersehbar, nicht auf eine mangelnde Planung oder zu geringe Bestellung\/nicht rechtzeitige Vertragsbindung von Lieferanten, Nachunternehmern etc. zur\u00fcckzuf\u00fchren ist und dem Auftragnehmer eine anderweitige &#8211; gegebenenfalls auch Mehrkosten ausl\u00f6sende &#8211; Ersatzbeschaffung und\/oder Beschleunigung zur Kompensation der aufgetretenen Bauablaufst\u00f6rungen (Mehrarbeit\/Wochenendarbeit, Einbeziehung anderer Nachunternehmer, Lieferantenwechsel etc.) nicht m\u00f6glich war. Als Rechtsfolge wird die <strong>Ausf\u00fchrungsfrist verl\u00e4ngert<\/strong> um die Dauer der Nichtlieferbarkeit der Materialien zuz\u00fcglich eines angemessenen Aufschlags f\u00fcr die Wiederaufnahme der Arbeiten (\u00a7 6 Abs. 4 VOB\/B).<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Preisanpassung<\/strong> wegen St\u00f6rung der Gesch\u00e4ftsgrundlage gem. \u00a7 313 BGB:\n<ul>\n<li>Zuschlagserteilung\/Vertragsabschluss <strong>nach<\/strong> Beginn des Ukrainekrieges: Grunds\u00e4tzlich <strong>kein <\/strong>Anpassungsanspruch.<strong><br \/>\n<\/strong><\/li>\n<li>Zuschlagserteilung\/Vertragsabschluss <strong>vor<\/strong> Beginn des Ukrainekrieges: Im Einzelfall kann ausnahmsweise ein Preisanpassungsanspruch bestehen, wenn eine so <strong>erhebliche St\u00f6rung des Vertragsgef\u00fcges<\/strong> vorliegt, dass dem Auftragnehmer ein Festhalten am Vertragspreis schlicht unzumutbar ist (Kostensteigerung bezogen auf das Gesamt-Vertragspreisniveau <strong>von mehr als 20 %<\/strong>, wobei nach BGH-Ansicht stets eine Einzelfallbetrachtung erforderlich ist). Im Falle einer Preisanpassung gem. \u00a7 313 BGB sind ggf. die Grenzen von \u00a7 132 GWB bzw. \u00a7 22 EU VOB\/A zu beachten.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row css_animation=&#8221;&#8221; row_type=&#8221;row&#8221; use_row_as_full_screen_section=&#8221;no&#8221; type=&#8221;full_width&#8221; angled_section=&#8221;no&#8221; text_align=&#8221;left&#8221; background_image_as_pattern=&#8221;without_pattern&#8221;][vc_column]<div class=\"templatera_shortcode\"><div      class=\"vc_row wpb_row section vc_row-fluid  grid_section\" style=' padding-bottom:60px; text-align:center;'><div class=\" section_inner clearfix\"><div class='section_inner_margin clearfix'><div class=\"wpb_column vc_column_container vc_col-sm-12\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><a  itemprop=\"url\" href=\"\/kanzlei\/tsp-news\/\" target=\"_self\"  class=\"qbutton  center default\" style=\"\">Alle News<\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>[\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgrund des Ukraine-Krieges sind die Preise vieler Baumaterialien stark angestiegen. 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